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Full text of "Bemerkungen zur Kudrun"

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HERRN PROFESSOR 



KARL MÜLLENHOFF 



ZUM 7 APEIL 1867 



IN DANKBARER VEREHRUNG 



DARGEBRACHT 



T. 



Verbesserung und erklärung einzelner stellen, 



Zur textesherstellung der Kudrun haben bereits ziemlich 
viele, zum theil bedeutende kräfte beigetragen. Das voll- 
ständige gedieht ist herausgegeben worden von F. H. v. d. 
Hagen und A. Primisser im I. theil des heldenbuchs in der 
Ursprache, Berlin 1820; dann mit herstellung der mhd. 
wortformen von A. Ziemann, Quedlinburg und Leipzig 1835; 
von L. EttmüUer, Zürich und Winterthur 1841; von A. Voll- 
mer, Leipzig 1845; von K. Bartsch, Leipzig 1865. Mül- 
lenhofiF hat die von ihm für echt erklärten theile des 
gedichts herausgegeben, Kiel 1845; K. A.Hahn hat diese 
wiederholt, Wien 1853; ebenso W. v. Plönnies , Leipzig 1853, 
wobei jedoch eine grosse anzahl von Müllenhoif verworfener 
Strophen wiederaufgenommen worden sind. W. Wackernagel 
hat in sein lesebuch (in der ausgäbe von 1861 spalte 555 fg.) 
str. 372 — 428 aufgenommen. Endlich hat M. Haupt eine 
reihe glänzender emendationen veröifentlicht in seiner Zeit- 
schrift für deutsches alterthum 2, 280. 3, 186. 5, 504. 

Allein die Verderbnis, in -welcher der text handschrift- 
lich überliefert ist, scheint noch immer nicht völlig gehoben 
zu sein; an manchen stellen, besonders in den lücken ist 
es überhaupt unmöglich, das ursprüngliche mit bestimmt- 
heit herzustellen. Vielfach scheint auch der eifer einiger 



^ 



verbesserer über das ziel hinausgegangen zu sein und die 
lesart der hs. ist wiederherzustellen. Solche stellen lasse ich 
hier auf sich beruhn , ebenso wie die schon von andern ver- 
besserten. Doch nehme ich von den letzteren einige bisher 
noch nicht veröffentlichte verbessertlngs vorschlage aus. Auf 
der Berliner Universitätsbibliothek habe ich die handexem- 
plare W. Grimms einsehen können: in Ettmüllers ausgäbe 
hatte er theils in den text einige Verbesserungen und erklä- 
rungen eingetragen, theils das angehängte Wörterbuch mit 
angäbe der einzelnen stellen ausgefüllt. Ferner hat hr. 
Professor Zacher mir gütigst das handexemplar E. Somm ers 
zugeschickt, in welches dieser verschiedene Verbesserungen 
eingetragen hatte, die zum tjieil aus den Vorlesungen 
W. Grimms stammen mochten. Die vorschlage W. Grimms 
sind nun freilich durch die seitherigen ausgaben meist vor- 
weggenommen. Die wenigen jedoch, die ich sonst noch 
nirgends gefunden habe , theile ich mit angäbe seines namens 
an ihrem orte mit. 

Zunächst kann ich einige wenige stellen auf grund 
einer coUation der hs. herstellen, welche ich im sommer 
1864 gemacht habe. Die meisten ergebnisse dieser ver- 
gleichung sind allerdings durch die von F. Gärtner ange- 
stellte und in Pfeiffers Germania 4, 106 veröffentlichte über- 
flüssig geworden; doch hat er folgendes übersehn. 

Str. 39, 3. 4 hat die hs: vntz daz dem hunige aus 
reiche Jcomen haim ze hofe sechs vnd achtzik tausent lobe- 
leiche. Es wird zu schreiben sein: vnz daj dem hünige 
% aller vürsten riehen hömen hin ze hove u. s. w. Die 
3. zeile habe ich nach 5 , 3 ausgefüllt. 

323 Ob uns der künic Hetele, ze rehte wcere holt, 
und ob wir e^^en solten silber unde golt, 
des mohte wir da heime wol so vil bevinden 
daj wir grojen hunger davon ofte möhten überwinden. 



Der abdruck v. d. Hagens hat das ojft der 4. zeile wegge- 
lassen. 

_/^1110, 1. 2 hat die hs: Hilde die schone vil manigen 
poch pot Waten und den seinen; der sing, ist an sich bes- 
ser als der bisher aufgenoramene plur. vil manege louge. 

Indem ich nun zu den durch vermuthung zu bessern- 
den stellen übergehe, bemerke ich, dass ich solche falle 
weglasse, in denen nur das versmass her zu stellen, insbe- 
sondere die letzte halbzeile auf das richtige mass von 
5 hebungen mit klingendem ausgange (natürlich abgesehn 
von den eingemischten Mbelungenstrophen) zu bringen ist. 
Hier lässt sich gewöhnlich durch Umstellungen oder ergän- 
zungen nachhelfen, welche freilich nichts zwingendes haben 
unä eben so gut durch eine andere vermuthung ersetzt wer- 
den können. Dagegen schlage ich aus gründen des sinnes 
folgende änderungen vor: 

^5, 2. 3 ich wil iu gerne volgen als e^ mer geschach 
daz man nach frouwen rate lobeten hochztten. 

Die hs. hat anstatt als: wie, was Vollmer in swie änderte 
und Bartsch erklärte: ^obwol es noch nie geschah'. Allein 
die behauptung, dass männer nie auf den antrieb von frauen 
ein fest angestellt hätten, ist an sich sonderbar und wird 
durch zahlreiche beispiele der deutschen sage widerlegt. So 
Eother (bei Massmann) 1530 fg.; Kaiserchonik (Vor. hs.) 
397, 15; ferner in den Nibelungen 667,- wo Günther auf 
den rat der Brünhild Siegfried einlädt, und 1339 fg., wo 
Kriemhild Etzel angeht ihre brüder zu einem feste kommen 
zu lassen. 

X 47, 4 wider äbendes stunde hiej er aber die werden 
geste riten. In der hs. fehlt stunde. Vgl. 387, 1. 1197, 3. 

/ 60, 1 Sigebandes vriunde greif disiu leide not. hs. : J^^^> 
griffen, von W. Grimm verbessert. Vgl. Babenschlacht 916 



8 

Sin leit hegunde in grifen, und 955 In begunde grifeti ein 
unmcejUcher zorn. 

150, 3. 4 her Hagene was gestanden nider üfden sant 
da man die von Karadie M dem eilenden vant. 

Die hs. hat er. Bisher hat man meist v. 3 Sigebant an die 
stelle von Uagene eingesetzt; aber dieser wird gleich im 
folgenden nochmals mit er bezeichnet: 151 Do gesach er 
rtten wtp unde man. 

4 

y 183, 1. 2 Do der herre % Irlant vol enhijjeii was, 
schiere wart ze motten hluomen unde gras. 
hs. wol, wie auch sonst für vol s. 181, 2. 394, 3 und Voll- 
mer zu dieser stelle. 

x^248, 2 — 4 her Ilageyie nieman gan 

deheiner ere. er dunket sich nie so vermejjen, 
oh er uns wcenet twingen, so muo^; er smer höchvart gar 

vergejjen. 
hs. vollen ere, wodurch der vers überfüllt wird. Derselbe 
einschnitt des satzendes in den versanfang findet sich 4,2: 
lEr wuohs unz an die stunde daj er wäfen truoc 
in heldes ahte, er künde alles des genuoc u. s. f. 

249 , 4 mit silherwtjen spangen suln sie (d. i. die 
ziperhoume) werden beslagen. hs. von silber weysse span- 
gen sullen seule werden geslagen. Die änderung scheint 
stark. Aber was sollen auf einem schiffe säulen von silber- 
spangen geschlagen? Und warum musste das dazu benutzte 
Silber gerade in spangenform sein? Durch die änderung 
erhalten wir dagegen einen sinn, der zu dem umwinden der 
rüder mit gold str. 265 stimmt und dasselbe besagt wie 
264, 4 Die wende zuo den stoejen wurden mit silber wol 
gebunden. Das hier erscheinende wort stoeje hat EttmüUer 
wol richtig erklärt als die stellen, an denen die langseiten 
des schift'es zusammenkonmien. 



275, 4 nach der schcBtien Hilden sande er sine boten 
CO Stil che. hs.: lustlich. Vgl. 1104, 4 in gap vrou Hilde 
ir gäbe costliche. 

> 308, 2. 3 ej lit hie bi von silber und von golde manie vag 
gezieret mit gesteine edele unde rlche. 
hs. mit edelem gesteine. 

^ 317 "^Wir belihen bi iu gerne^ sprach von TenenHorant: 
Hedoch ob uns gevreische hie in Irlant 
üg Hegelingen Hetele (ja sint im kunt die sträje), 
ich sorge ze allen zUen daj uns der recke ninder leben 
läje. hs. wir fürchten. 

^ 364, 1. 2 Hagene arbeit dolte vorne künstelosen 
man dag er als ein begojjen brant riechen began. In 
der hs. fehlt arbeit; anstatt vome hat sie den, W. Grimm 
hatte vermuthet siege d. vome k. m. arbeit doln kommt 
ebenso vor Nib. 2113, 4 si heten von vtnden vil michel 
arbeit gedolt. 

^ 386, 1 — 3 Der herre gie balde da er die magetvant. 
in triutecUcher wtse dö was der maget hant 
an ir vater kinne. hs. trauriclicher. 

^388, 2 des vleij sich anderweide Horant daj er 
nie gesanc so ritterliche, hs. aber weyse. Zu den beispielen 
des mhd. wb. für anderweide füge ich noch eines aus einer 
österreichischen quelle des XIII. jh. Wiener meerfahrt 430 
Unt trunken anderweide (: herzeleide). 

m 

398, 1 D6 er die süejen ivise ze lobe vol gesanc. 
hs. ze hove; die ortsbezeichnung, namentlich in dieser all- 
gemeinheit, scheint unpassend. 

'^415, 4 swie si mir sin vremde, unr lebten e ensamet 
bi Hetelen schone. Die hs. hat ^e, wodurch die frühere zeit, 
die dem Vordersatz entgegengestellt wird, nicht bezeichnet 
ist; ensamet soll die nötige 5. hebung herstellen. 



10 

/ 564, 4 man erJcante ir vogetes namen verre. hs.: da 
irs; da ergibt aber eine zu dem verre nicht stimmende 
Ortsbezeichnung und würde zugleich zum drittenmal in drei 
halbzeilen wiederholt. 

^ 628, 4 do wart nach der stunde vil hdme durch ir 
willen verhouwen. hs. ward im. Vgl. 562, 4. 

^ 656, 1 — 3 HerwiC sprach zcr vro-utven ' mir ist daj geseit 
(doch häts iiich lihtc gerouwen von miner arbeit) 
dag ich iu versmdhe durch mhi lihtej kiinne, 
hs. het es mich. 

/ 700, 2. 3 daj man da die warten und vesten bürge 

brach 
daj kom von untriuwen und grojem übermuote. 
hs. porten. 

-^703, 1 Durch daj si vrevele ivären si rihten sich 
ze wer. hs. freunde. 

/704, 4 swie si da würben, si riten slt unfroeltche 
dannen. hs. frolichn. Der abzug des von Kudrun gesandten 
heeres ward ja* doch durch sehr traurige nachrichten veran- 
lasst; der concessive Vordersatz bezieht sich auf den anfangs 
günstigen erfolg. 

/ 708, 4 da von wart sit der wunden deste mere. 
hs. sy. 

718 Äme driuzehenden morgen nach vruomessezU 
sprach Sifrit mit sorgen 'sehet waj hie lit 
unser guoten recken! der künec von Sei an de 
nach vil hoher minne icejet im ej also sere enblanden. 
hs. Morlannden. Aber der sprechende kann nach dem fol- 
genden: Er begunde raten mit den von Karade nur Sifrit 
sein, den daher, obschon er in v. 2 nicht angegeben ist, 
V. d. Hagen schon richtig dort eingesetzt hat. Dann kann 
er aber in v. 3 nicht von sich selbst in der 3. person 
sprechen. 



11 

720, 1. 2 Si wichen von dem strite ze einer warte dan 
da ze einer site ein größer phlüm ran. 
hs. ze ainem wasser. Vgl. 676, 3. 

x723, 4 eteslicher doch da heime gerner wcere. 
hs. yeglicher, 

yll^^ 4 oh si diu edele Küdrün durch stniu mcere iht 
vriuntliche enphienge. hs. frelichen. 

• 849, 3. 4 die mäje und si da mohten sach mansi 
^ gebären, 

die minniclichen meide hi den vinden harte trüric wären. 
hs. und künden^ was eine der hs. eigenthümliche häufung 
der ausdrücke ist, wie 236, 3 waren unde sassen u. a. Man 
sach si steht dann in v. 4 vor bi den vinden, wo Vollmer 
jene werte getilgt hat. Hier wie sonst oft erscheint ein 
abirren des Schreibers in die entsprechende stelle der zunächst 
vorhergehenden oder nachfolgenden langzeile. 

^852 Ej was von Mateläne nü so verre dan 
Küdrün diu wolgetäne, die Ludewiges man 
heten an ir gemache deheiner slahte gedingen 
daj Wate sine vriunde in ze schaden ie möhte bringen, 
nü in z. 1 hat Bartsch eingesetzt, die hs. hat nach verre 
noch von in. In v. 2 hat die hs. für die nicht wie v. d. Ha- 
gen angibt daj, sondern des. In v. 4 steht nach Wate 
noch unde und anstatt ie mohte: nie mochten. 

^854, 2 — 4 die truogen üf der fluot 

manegen der selten truoc durch die gotes &e 
daj criuze: des engelten muosen die üj Orma- 

nie sere. 
Die hs. hat in v. 3 und 4: manegen der das creutze 
trüge selten durch die gotes ere an seinen claiden; des 
muesten entgelten die heldh aus Ormanie sere. 

884, 1 Die von den Stürmen rächen dö des küneges tot. 
Die hs. schiebt vor von noch Walais ein und hat do nicht. 



/ 



12 

892, 2 — 4 • daj gesinde sin 

liej der künic hoeren, wer beliben solte 
bi Waten dem vil küenen, niwan der gerne sterben wellte. 
hs. 3: wes er, 4: wände. Ich verstehe niwan der 'ausser 
wenn jemand'. 

^ 907, 4 noch sanfter ich von Hilden iemer wtßre. 
Die hs. hat iemer nicht, dagegen frawen vor Hilden. 

909, 2 — 4 daj sul wir ahten danne daj si Urkunde 

haben 
mit einem riehen closter immer nach ir ende 
und daj ein teil guotes iegeliches kümie dar sende. 
hs. yegUich. 

942, 4 des müege wir biten, swaj halt die vfnde 
dort uns an gewinnen. In der hs. fehlt der erste halb- 
vers; ebenso uns an, was schon Ziemann eingesetzt hat. 

974, 4 wan Küdrün eine und ir gesinde vuoren 
trüreclichen. hs. hat on vor K.; eine fehlt; dann heisst es 
die fueren da vil. 

1068 Do ir daj was erhübet daj si daj gewant, 
diu vreuden was beroubet, mit ir üf den sant 
ze waschen tragen müese, daj tröste si in ir leide, 
swaj anders iemen tcete, noch muosten mere waschen dise 
beide, hs. z. 3: in ir grossen, wodurch die Strophe jede 
construction verliert. 

1073, 3. 4 dem hete si riche spise 

erworben swd si künde, hs. speyse recht. 

1085, 4 man hoeret noch darumbe weinen von 
maneger muoter kinde. hs. in dem lannde. 

1099, 1. 2 Si sageten im ir dienest triuwe unde guot, 
wie der recke wcere dar umbe gemuot. 
hs. do der recke darpm wäre. 

1134 Daj genibele zöch sich höher als ej got gebot, 
do erwageten ouch die ünde: do kömens üjer not. 



13 

durch die großen vinstßr sähen si die sühnen, 
do kom in ein westerwint do was in ir arbeit gar zerunnen. 
Bisher waren die schiflfe von der yrindstille (galinS 1132, 
was Bartsch richtig übersetzt und von yaXi^vr] abgeleitet hat) 
auf dem vinster mer festgehalten worden. Jetzt hebt sich 
der ersehnte wind , nebel und dunkel verschwinden , die wel- 
len beginnen sich zu bewegen. Die schiflfer gelangen 0e 
vliezenden-ünden 1136, 1. Anstatt erwageten hat die hs. 
ver wagen, wie sonst erwäge ».Vollmer zu 515. Verwageten, 
das Vollmer gesetzt und welches man ebenso wie verwägen 
übersetzt hat als ^aufhören sich zu bewegen' ist überdies 
unbelegt. 

1215, 2. 3 Sit ich ein maget heije und ir mich habet 
gemani durch aller magede ere, hs. annder; aber es ist 
nicht abzusehn, warum Kudrun sich von den andern Jung- 
frauen trennen sollte. Auch hatte Herwig in der that gebe- 
ten (1214, 3) allen meiden tuot ej ze eren, 

1252, 2 des schämte si sich sere: wände ej ir was 
leit. hs. wann. 

1263, 4 wem wilt du mich lägen od wes sol ich 
mich armer weise troesten. hs. last du mich. 

1327, 2. 3 Hartmuot wände er trut 

der minnicUchen wcere da her von Hegelingen. 
z. 2 hat V. d. Hagen das was der hs. verbessert; in z. 3 hat 
sie die m. meiden. 

1411 , 3. 4 der herre von den Stürmen leidet ej in sere: 
swer im Jcom ze nähen, der gedäht des dringens nimmer 
rmre. hs. in z. 3 : in so, 4 : so. 

1417, 2. 3 von bergen wceten winde so dicke 

nie den sne 
so die helde täten diu swert an den handen. 

\ 

hs. die winde waten von verren. Vgl. 861 , 2. 3 nach win- 
den von den alben sach man nie sne gän so dicke also 



14 

draten die schüjje von den henden; Dietrichs Flucht 9414 
und wart iu dehein sne bekant als er von den cdben gät 
noch dicker vielen an der stat die Hute tot dar nidere. 

1468, 4 ir craft was unzerunnen. Hartfntwt und 
Wate würben vaste umh ere, hs. in zerunnen. umerunnen 
kommt noch 257, 3. 524, 3. 1403, 4 vor. Ebenso ver- 
muthete Sommer. 

1491, 2 solt ich vrouwen volgen war ttete ich minen 
sin? hs. ich nu, was die allgemeine und besonders für 
Wate gültige sentenz unangemessen beschränkt und wahr- 
scheinlich aus z. 1 wiederholt ist: her HerwU, nü get hin! 
(wie 1386). 

1570, 2. 3 daz Ortwines her 

was komen in sehs wochen hin ze Mateläne. 
hs. fehlt komen. Aber hin wesen heisst 'weg sein'. 

1633, 3 jd hiej michj alle zite heln diu muoter mine 
daj ich ej niht ervunde. hs. frawe, womit Hartmut hier 
seine mutter nicht bezeichnen kann. 

1684 In iegelichem stricke lac ein edel stein, 
swie sin name hieje, da bi daj wol schein 
daj si versliffen wären ze Äbaki dem lande. 
Waten und sine helde nämen dö die vürsten M ir 
handen, hs. z. 3: verslozzen, was Sommer gebessert hat; 
in z. 4 helde, was offenbar eine Wiederholung des kurz 
zuvor gebrauchten Wortes ist. 

1692, 3 sich vreute dö geliche alliu diu diet, hs. 
williclichen. 

Ein nicht minder grosses feld als für die textesherstel- 
lung eröffnet das gedieht für die erklärung. Seinen wert 
in sachlicher beziehung als Spiegel des häuslichen lebens, 
der sitte und rechtsanschauung unserer vorfahren mag man 
an den häufigen anführungen in J. Grimms Kechtsalterthü- 
mern und in Weinholds buch 'Die Deutschen Frauen im 



15 

Mittelalter' ermessen. Ein hierher einschlagender punct 
würde zu berühren sein zu 366, 4 er lönte im sU so hohe 
sam einem wilden Sahsen oder VranJcen. Vgl. 1503, 2. 
XJeber diese und verwandte bezeichnungen des Sachsenstam- 
mes sind die belege von verschiedenen Seiten gesammelt 
worden: s. J. Grimm, Lateinische gedichte des X. und XI. 
Jahrhunderts s. 86. 309 anm., Haupt zu Helmbrecht 422, 
zu Goldemar 9 , 10. Ich fuge noch hinzu Lohengrin (Eückert) 
str. 599 reht als wSnc wir werden ir gelouben grünt be- 
scheiden hie von einem wilden Sahsen; sodann noch ein 
zum ausdruck der Kudrun besonders passendes beispiel: 
Jacob van Maerlant, Jacob ende Martin str. 109: een wilt 
A Sas oft een Yries. lieber diese Spottnamen der Völker hat 
Wackernagel zeitschr. f. d. alt. 6 , 254 mehreres zusammen- 
gestellt. In der Selbstbiographie Thomas Platters, heraus- 
gegeben von Fechter, Basel 1840 kommt s. 52 vor: grober 
Schwab, und s. 54 ein untrüwer Schwab. 

Ein anderes gebiet der erläuterung ist die fülle der 
epischen ausdrücke, die sich in der Kudrun findet. 

Aber ausser diesen allgemeinen kategorien und den 
erklärungen , die sich auf namen und Situationen der sage, 
auf die Charakteristik und sonstige darstellungsweise des 
gedichtes beziehn, nehmen ein besonderes Interesse einige 
ausdrücke in anspruch, welche bisher falsch verstanden zu 
sein scheinen. So 1395: 

Si vorhten Waten sere. da wart nieman lüt: 

man hörte ein ros ergrinen, da^ Herwiges trüt 
stuont obene in der zinne. 

Die bisherigen herausgeber haben das angeführte wie- 
hern des rosses als ein glückverheissendes zeichen angesehn 
und nachweise für diesen altgermanischen glauben beigebracht. 
AUein weder wird an dieser stelle eine solche beziehung 
irgend wie deutlich gemacht noch sonst darauf angespielt. 



16 

• Die Worte sind vielmehr eine ausffihrung der vorangehenden 

zeile. Aus furcht vor Wates befehl war alles so still ' dass 
man ein ross wiehern hörte', genauer ausgedrückt 'wiehern 
hören konnte/ Wir sagen ähnlich: es war so still im sal, 
dass man eine fliege summen hörte. 

Ein wort, das ebenfalls noch nicht richtig verstanden 
zu sein scheint, ist gruntwelle, das 85, 3. 261, 4. 1137, 3 
vorkommt, stets als plur. eines starken fem. Bartsch schreibt 
wahrscheinlich wegen Klage 1076, aber mit unrecht grünt- 
walle und erklärt: 'grundwelle, die aus der tiefe des mee- 
res kommt/ Es ist aber vielmehr die welle, die bis auf 
den grund des meeres dringt und die zurückweichend ihn 
blos legt: der weilenschlag an untiefen, die brandung. Daher 
werden die gruntwelle stets als höchst gefahrlich bezeichnet 
und zweimal, 85, 3 und 1137, 3 in der nähe des landes 
erwähnt. Endlich mrd das von verwandtem stamme abge- 
leitete gruntwallunge im voc. opt. 46, 87 dem lateinischen 
cestus gleichgestellt. 



II. 



Die entstehung des gedlehts. 



Wie mehr oder weniger in allen denkmälern des volksepos, 
so liegt uns auch in der Kudrun die arbeit nicht eines ein- 
zigen dichters, sondern mehrerer vor, die einen überliefer- 
ten gegenständ in einer ziemlich übereinstimmenden dar- 
stellungsweise behandelten. Die beweise für diesen verschie- 
denen Ursprung der einzelnen theile liefert auch hier das 
gedieht selbst: Ungleichheiten, indem neben der grossartig- 
sten anläge und neben den Zeugnissen eines ausserordent- 
lich feinen geschmackes spuren der elendesten stümperei 
erscheinen; Widersprüche, die man vergebens wegleugnen 
oder durch änderungen und Strophenumstellungen hat besei- 
tigen wollen; endlich metrische Verschiedenheiten, die bei 
der feinheit der niittelhochdeutschen verskunst unmöglich 
demselben dichter zugeschrieben werden können, namentlich 
cäsurreime, Strophen, die der satzübergang verbindet, ja 
sogar Nibelungenstrophen zwischen den mit gröster regel- 
mässigkeit gebauten Kudrunstrophen. Auf diese anzeichen 
gestützt und im anschluss an Lachmanns kritik der Nibe- 
lungen hat erst EttmüUer in seiner ausgäbe eine Scheidung 
der echten und unechten theile vorgenommen: allein er hat 
sich dabei oft von nur äusserlichen momenten leiten und zu 

willkürlicher behandlung hinreissen lassen. Dann hat Mül- 

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lenhoflf die aufgäbe übernommen. Durch seine kritik erhal- 
ten wir ein gedieht von reichem und doch klar geordnetem 
inhalt, von schönem, ebenmässigem und besonders auf die 
malerische anschaulichkeit ausgehendem stil; ein gedieht, 
das neben den erhabenen Nibelungenliedern als dte anmu- 
tigste blute unserer Volksdichtung genannt werden darf. 
Allerdings ist zur herstellung der echten teile an einzelnen 
stellen ein kühneres verfahren notwendig: namentlich müs- 
sen nicht selten die cäsurreime entfernt werden, welche in 
unentbehrlichen Strophen vorkommen; allein oft geht auch 
abgesehn von der höheren kritik aus den anforderungen des 
Sinnes und des versmasses hervor, dass diese reime erst 
nachträglich eingedrungen sind s. MüUenhoff s. 55. Und 
wenn man auch einräumen muss, dass eine reihe von punc- 
ten zweifelhaft bleibt, so darf dadurch doch die Sicherheit 
der übrigen nicht gefährdet werden. Man vergleiche nur 
stellen wie den schluss der echten Strophen 1504 — 1530 
oder die scene, in welcher Kudrun bruder und bräutigam 
zuerst wiedersieht 1207 — 1265: kein unbefangener wird 
leugnen können, dass im überlieferten texte die goldkömer 
des echten liedes mit sand überschüttet sind, von welchem 
sie erst MüUenhoffs kritik geschieden hat. 

Indem ich nun zu jenen punkten zurückkehre, die ich 
selbst als zweifelhaft bezeichnet habe, muss ich gestehn, 
dass ich nach mehrfacher prüfung nur in sehr wenigen fal- 
len eigene vorschlage zu machen weiss. Von 1484 — 1487 
hat MüUenhoff die zweite und dritte strophe für unecht 
erklärt. In der that ist die frage Herwigs nach dem namen 
der Sprecherin 1486, 2 dieselbe wie 1484, 2 und 1485 thut 
Kudrun dieselbe bitte wie 1488 , nur ohne dass sie das erste 
mal von Herwig irgend berücksichtigt wird. Allein mit 1485 
und 1486 fiele auch die erklärung der Kudrun über ihren 
namen weg und man müsste also annehmen, dass Herwig 



19 

selbst sie inzwischen erkannt habe. Weit besser verbindet 
man 1484, 1. 2 mit 1486, 3. 4: 

Des antwurte Herwtc, ein edel ritter guot, 
^wer sU ir, juncvrouwe, diu uns vrägen tuot?^ 
si sprach ' ich heije Kudrün und hin da^ Hagenen künne, 
swie rtche ich e wcere, so sihe ich hie vil wenic keine wünneJ 

Er sprach ^sU ir ej Kudrün u. s. f. 

Jetzt hat man die erklärung der Kudrün, auf welche 
Herwig 1487 , 1 antwortet. Jetzt fallt auch die ziemlich 
alberne bemerkung Herwigs fort, dass er aus Seeland und 
nicht aus Hegelingen sei. Diese Bemerkung ist wahrschein- 
lich von einem kleinlichen interpolator ausgegangen, der 
dann, um sich wieder in den gang des liedes hineinzufin- 
den, erst die bitte der Kudrün vorweggenommen, dann die 
frage Herwigs wiederholt hat. Solche wilsderholungen sind 
ja gerade die näte , mit denen die interpolatoren ihre läp- 
pen an das alte kleid anflicken, in der Kudrün z. b. 1246, 4 
(aus 1241, 4 entlehnt); 400, 4 (aus 396, 4). 

Weniger zuversichtlich bin ich in betreff einer anderen 
stelle. 885, 1. 2 wird im liede ganz plötzlich nach dem 
tode Hetels sein söhn Ortwin eingeführt.: Sinen vater wolte 
rechen der küene Ortwin, Auch später erscheint er in ech- 
ten Strophen nicht wieder als bis Hilde zum rachezug auf- 
fordert. Da treffen ihn ihre boten bei der Vogelbeize str. 
1096. Diese beschäftigung ist für frauen und unerwachsne 
ein ersatz der jagd. In betreff der. frauen gibt Weinhold 
D. fr. 344 die nachweise; für die knaben führe ich an: Bit. 
2263, wo der ganz junge Dietleib, um sich aus der bürg 
entfernen zu können zu seiner mutter sagt : frouwe , ich wil 
heilen varn. Ferner erinnere ich an den eingang des VHI, 
buchs im Parziväl (400, 1 fg.), wo der jugendliche könig 
Vergulaht ebenso mit den valkenaeren erscheint. Es ergibt 

sich also , dass wenn Ortwin von der beize zum kriege abge- 

2* 



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20 

holt wird, diese bedeutsame Situation ihn als einen noch 
nicht völlig erwachsenen kennzeichnet. Ein gleiches geht 
aus der Stellung hervor, die seine mutter in bezug auf die 
röstung und aussendung des rachezuges einnimmt: das beer 
versammelt sich stets um ihre fahne 1182, 4. 1372. 1394 , 4. 
1497, 1 (in echten Strophen). Ortwin erscheint überall nur 
als mitstreiter, nicht als föhrer des heeres: er ist zunächst 
gemeint, wenn es 1116 heisst Genuoge mit in mioren den 
ir vater was erslagen; wir dürfen auch vermuthen, dass 
auf ihn geht, was Wate 940 sagt ej kan niht e geschehen, 
die wir da hän ze kinden unz daj wir gesehen daj si sint 
swertmcBjic. Eine genaue bestinmiung seines alters wird 
1113, 2. 3 gegeben er ist der tage stn küme in zweinzic 
jdren gewahsen ze einem manne; allein diese str. trägt deut- 
lich die spuren der unechtheit. Aber aus den früher ange- 
führten stellen geht jedenfalls hervor, dass er überall zu 
jugendlich gedacht wird, als dass er in der schlacht auf 
dem Wülpensand , die dem rachezug um 7 jähre vorherging, 
hätte erscheinen können. Da nun aber der zweite theil der 
str. 885 nicht entbehrt werden kann , so wird die erste hälfte 
einer andern vorhergehenden strophe entlehnt werden müs- 
sen. 881. 882 reimen in der ersten hälfte auch die cäsur ; 
884, 1. 2 hängt mit 3. 4 zu eng zusammen. Es bleibt 
nur 883, 1. 2, deren Inhalt freilich zu allgemein ist, als 
dass er an sich die vermuthung der echtheit rechtfertigen 
könnte. 

Im ersten theile des gedichtes, dem liede von Hilde 
möchte ich drei Strophen festhalten , von welchen Müllenhoflf 
selbst zwei für allenfalls zulässig erklärt s. 120. Es sind 
die str. 240. 241 und 247. Fallen erstere beiden aus, so 
bleibt eine härte darin, dass Wate gleich errathen muss, 
warum Hetel ihn str. 239 zu könig Hagen senden will. An 
sich haben aber beide strophen nichts unbedingt anstössiges, 



21 

wenn auch ihr ausdruck etwas gedehnt erscheint. 247 ver- 
wirft MüllenhoflF dagegen, weil Horand darin lust zeigt zu 
der werbefahrt, die er 228 abgelehnt hat. Allein inzwischen 
ist durch die hinzuziehung Wates die möglichkeit des erfolgs 
doch eine ganz and^e geworden; und gerade die zornigen 
werte Wates str. 245. 246 konnten Horand zu einer zusage 
bestimmen. Auch ist der grimd, den er für seine einwilli- 
gung angibt, für ihn, den artigen sänger, recht hübsch 
gewählt: es ist die lust schöne frauen zu sehn und sich mit 
ihnen zu vergnügen. Gerade so tritt er später auf: nicht 
bloss bei dem anbringen der Werbung an die königstochter 
selbst, sondern auch 354, 3. 4 Horant von Tenertche durch 
der vrouwen liebe vant man in vil ofte gemellichen. Zum 
überfluss erinnere ich noch an Volker in den Nibelungen, 
der in Bechlaren vil gemelicher Sprüche redet (1612, 3. 4) 
und beim abschied sich mit seiner kunst besonders an die 
markgräfin wendet (1643). Wider die aufnähme von str. 
251 dagegen, welche MüUenhofiF neben 240. 241 stellt, 
spricht doch gar zu sehr, dass darin Horand ausdrücklich 
dazu bestimmt wird in dem kramladen zu stehn und den 
frauen die kleinode zu verkaufen, ein amt, welches später 
324 der absieht der sage gemäss Frute erfüllt. 

Eine zweite aufgäbe der höheren kritik ist die Unter- 
scheidung der Zusätze , deren verschiedener Ursprung an vie- 
len stellen hervortritt. Allein bei dieser Untersuchung fehlt 
im grösten theile des gedichtes ein moment der entschei- 
dung, das der einheit der erzählung: strophen, welche die 
grundlage der echten strophen unterbrechen, können dem 
Inhalte nach von jedem beliebigen interpolator herrühren. 
Allerdings lassen sich nun gewisse eigenthümlichkeiten , be- 
sonders metrische, als verschiedenen dichtem angehörig 
nachweisen; allein dass diese eigenthümlichkeiten in jeder 
Strophe der einzelnen interpolatoren sich wiederholen, ist 



22 

natürKch nicht zu behaupten. Nur da steht es anders, wo, 
wie im eingang und schluss des gedichts, an die stelle des 
echten liedes eine einleitung oder fortsetzung tritt, welche 
durch neue zusätze unterbrochen wird. So kann man nament- 
lich im Schlüsse recht gut die arbeit de|^ ersten interpolators 
von der seiner Überarbeiter trennen. Der anfang der von 
jenem herrührenden fortsetzung ist unverkennbar in str. 1561 
und ebenso das ende 1650. Die später eingeschobenen Stro- 
phen haben zum grossen theil cäsurreim : 1569. 1570. 1573. 
1587 (mit welcher auch 1588 — 1591 fallen, die den schon 
1577 beschriebenen empfang der beiden noch weiter ausfah- 
ren, besonders mit der absieht den mohrenkönig noch wei- 
ter auftreten zu lassen). 1610. 1615 (welche zu der über- 
haupt überflüssigen festvorbereitung 1603 - 1616 gehören; 
ihre erste strophe 1603 hat den anstössigen reim soume: 
küme) 1618 (darauf die Nibelungenstr. 1621 und die ihr 
vorausgeschickte, aus 1627 dem sinne nach entlehnte 1620) 
1625 (und die vorangehenden 1623. 1624 mit einer unnöthi- 
gen berathung der beiden , unter denen auch der mehrfach — 
1587. 1611 fg. 1630. 1635. 1644 — von den jüngeren inter- 
polatoren eingeführte Frute erscheint) 1629. 1630 (sodann 
die weitschweifigen str. 1632. 1633. 1635. 1636) 1641 (1643, 
welche die von 1651 an weiter fortlaufende Werbung von 
Herwigs Schwester für den Mohrenkönig anknüpft) 1644 (mit 
welcher auch die gänzlich leeren 1645 — 1647 fallen). Lassen 
wir also diese Strophen weg, so erhalten wir eine wahrschein- 
lich vom ersten interpolator herrührende fortsetzung des alten 
liedes von 50 Strophen, welche unter sich gut zusammen- 
hängen, auch keinen äusserlichen anstoss geben, aber durch 
den mangel an sagengehalt sich wesentlich von den echten 
theilen unterscheiden. 



Halle, Druck der Waisenhaus - Buchdruckerei.